Fashion Reloaded – ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil

Wie gelingt es, dass Mode weiterhin Stoff bleibt, in den Träume eingewebt sind und nicht vermehrt konventionell und berechenbar wird? Wie kann Deutschland nachhaltig und anerkannt zum Modestandort werden und kann Mode das Museum revolutionieren?

Christoph Amend - Chefredakteur ZEITmagazin

Christoph Amend © Phil Dera für die ZEIT

Diesen und weiteren Themen widmete sich gestern die ZEITmagazin KONFERENZ Mode & Stil  unter dem Motto “Fashion Reloaded”. Wir hatten das Glück diesem hochkarätigen Event beizuwohnen, das zum dritten Mal von VOGUE Deutschland und ZEITmagazin gemeinsam im Rahmen der Berliner Fashion Week organisiert wurde. Mit Dorothee Schumacher – Inhaberin des gleichnamigen Labels, Justin O’Shea – Buying Director von mytheresa.com und Stefano Pilati – Chefdesigner von Ermenegildo Zegna und vielen mehr, erwartete uns ein wirklich spannendes Line-Up. In Gesprächen mit Vertretern von ZEIT und VOGUE äußerten Sie sich nicht nur zu den genannten Fragen sondern gaben auch vielfach humorvolle Einblicke in ihre eigene Geschichte und Karriere.

Dorothee Schumacher – Wir sollten an uns glauben

Mode und Stil - Dorothee Schumacher & Christiane Arp

Dorothee Schumacher & Christiane Arp © Phil Dera für die ZEIT

So berichtete Dorothee Schumacher im Gespräch mit Christiane Arp, wie sie – inspiriert unter anderem durch eine italienische Unternehmerin – selbst mit 23 begann, ihr Unternehmen aufzubauen. Damals schon mit der Vision Kind und Familie zu verbinden. Heute ist die vierfache Mutter und erfolgreiche Unternehmer ein glänzendes Beispiel dafür, dass dies auch in Deutschland gelingen kann. Befragt zum Thema, wie Deutschland und speziell Berlin als Modestandort auf- und ausgebaut werden könne, antwortet sie dann auch, dass das wichtigste ist, dass wir an uns glauben. Ich denke, das trifft nicht nur in Sachen Mode eindeutig zu! Besonders spannend fand ich ihre Zukunftsvision, in 10 Jahren ihren nächsten Pop-Up Store auf dem Mars zu verhandeln. Auch wenn das vielleicht nicht ganz ernst gemeint war, ist sie offen für und neugierig auf neue Entwicklungen.

Justin O’Shea – eine ungewöhnliche Karriere

Mode und Stil - Justin O'Shea

Justin O’Shea © Phil Dera für die ZEIT

Ein Appell an den Spaß an der Mode kam von Justin O’Shea, der nicht verstehen kann, dass so viele Menschen auf Fashion Shows unglaublich ernst aus der Wäsche schauen. Durchaus nachvollziehbar, wie ich finde. Der sympathische Australier ist zudem ein glänzendes Beispiel dafür, wie überraschend die Wege des Lebens manchmal sein können. Er, dem seine Mutter noch Klamotten kaufte, als er den Kinderschuhen eigentlich schon entwachsen war, hätte selber nie damit gerechnet, eine solche Mode-Karriere zu machen. Durch einen Zufall war sein erster Job in einem Klamotten-Laden. Dann ergab ein Job den nächsten, bis er schließlich bei mytheresa.com landete. Auch zu seinem heute bekannten Style kam er durch einen Zufall. Als der Geschäftsmann Steve Edge ihn bat, ihn zu einem Charity Dinner von Prinz Charles zu begleiten, musste sich der Jeans-, Tank-Top- und Doc Martens-Träger zwangsläufig einen Anzug zulegen. Dieser Look gefiel ihm so gut, dass er beschloss, ihn häufiger zu tragen.

Stefano Pilati – Ein Leben für die Mode

Christiane Arp & Stefano Pilati

Christiane Arp & Stefano Pilati © Phil Dera für die ZEIT

Ganz anders Stefano Pilati, dessen Weg in die Modeindustrie eigentlich schon früh vorgezeichnet war. Wie er mit einem Lachen erzählt, begann alles damit, als er realisierte, dass der Schulweg zur Herausforderung wurde, da er in nahezu jedem Autospiegel und Schaufenster seinen Look überprüfen musste. Das Thema war also klar, einen ganz genauen Plan hatte er noch nicht. So fing er an, das Handwerk von der Pike auf zu lernen und lernte, wie man Stoffe herstellt und verkauft. Darüber erfuhr er einiges, wie Händler und Designer Stoffe kaufen, was ihm dabei half, die richtigen Stoffe zu produzieren. Über einige Spezialorder lernte er viele Designer, wie auch Armani kennen, der ihm schließlich einen Job anbot. Es folgten Stationen bei Prada, Tom Ford, Gucci und YSL bis er 2012 bei Zegna als Chefdesigner anfing. Was er von der Zukunft erhofft, verrät sein letztes Tattoo: ein Mann, der in eine Blume springt. Sein Umzug nach Berlin ist eine Rebellion gegen das ihm Bekannte. Die Blume symbolisiert für ihn diese Veränderung, während sie gleichzeitig schön ist – so taucht er ein in diese Veränderung und hofft, dass alles vor ihm liegende schön ist.

Vittorio Radice – Revoluzzer in Berlin?

Christoph Amend & Vittorio Radice

Christoph Amend & Vittorio Radice © Phil Dera für die ZEIT

Besonders für Berliner und Berlinbesucher interessant, gab Vittorio Radice, Verwaltungsratschef der La Rinascente Group und damit Chef des KaDeWe, Einblicke in seine Vision eines Kaufhauses. So soll das 2015 von der Gruppe gekaufte Luxuskaufhaus ein exklusiver Ort der Begegnung werden. In Zusammenarbeit mit dem Star-Architekten Rem Kolhaas soll es in den nächsten Jahren renoviert und modernisiert werden. Konkrete Pläne wollte er nicht verraten – nur soviel – es wird staubig :) Gespannt dürfen wir darauf sein, wie seine Pläne zur Verlängerung der Öffnungszeiten aussehen. Wir wünschen ihm viel Erfolg bei den Verhandlungen mit den deutschen Behörden!

Weitere Redner

Christoph Amend, Christiane Arp, Tillmann Prüfer

Christoph Amend, Christiane Arp, Tillmann Prüfer © Phil Dera für die ZEIT

Als Fazit der Veranstaltung nehmen wir mit, dass es in den nächsten Jahren entscheidend sein wird, ob sich die Mode weiterhin kommerzialisiert oder ob es den Kreativen wirklich gelingt, sich ein Stück weit unabhängig von Bewegungen wie Big Data und Google Analytics zu machen. Klar, Mode ist ein Geschäft, sollte aber seine Inspirationskraft nicht verlieren und so hoffen wir, dass auch in 10 Jahren neue Kollektionen und Designer uns – und vielleicht auch Analytics – überraschen.

Fotos: © Phil Dera für die ZEIT

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