Zigarren – Viel Rauch um nichts? Oder Weg zum Genuss?

Es ist eine Begegnung mit mir selber. Diese halbe bis ganze Stunde nur für mich. Allenfalls die Hunde sind dabei. Ob vor dem Fernseher oder noch lieber an der frischen Luft: Ja ich gebe es zu, ich genieße mein Rendezvous mit meiner Zigarre – am liebsten in Ruhe. Nur ab und an teile ich diesen Genuss auch mit menschlichen Freunden, aber nur sehr guten…ihr wisst schon, die, mit denen man(n) auch Schweigen kann, wo man(n) sich mit bruchstückhaften Sätzen kaum verständlich gebrummt versteht…:)

Wie anders ist dagegen doch eine Zigarette…im Vergleich nahezu ein Quickie…sie dient nur der Befriedigung der Sucht. Aber die Zigarre dient der Lust. Was für ein Glück hatte ich doch, dass mich jemand an das Thema ranführte, der sich bereits auskannt. So machte ich nicht den häufigen Fehler, mit einer zu starken Zigarre zu starten. „Viele haben schon von der kubanischen Cohiba gehört und fangen mit ihr an“, wusste Margret Schmitz von Linzbach bei meinem ersten Besuch zu berichten. Sie muss es wissen, als eine der letzten Pfeifenmacher Deutschlands ist sie eine absolute Expertin, ebenso wie ihr Sohn Werner, der als erster deutscher Händler in der Dominikanischen Republik ein Zigarren-Volontariat absolviert hat und nun das seit 1902 bestehende Geschäft leitet. Allerdings ist die Cohiba vielen zu stark, selbst langjährigen Zigarrenrauchern. Einige sehen sie gar kritisch und meinen, sie sei nur deswegen so teuer, weil der Ausschuss bei der Produktion ebenfalls recht hoch sei.

Andere Länder, anderer Tabak

Als Faustregel, oder besser gesagt als Leitplanke gilt: kubanische Zigarren gehören zu den kräftigeren. Für Anfänger eigenen sich eher mildere Tabaksorten, wie sie üblicherweise aus der Dominikanischen Republik kommen: so wie beispielsweise eine Santa Damiana. Bei ihr brennen die Backen auch nicht so wie bei einer Cohiba, mir war sie damals, als ich anfing, sogar zu sanft.

Macanudo

Daher entdeckte ich schnell südamerikanische Zigarren für mich. Sie liegen vom Stärkegrad normalerweise zwischen denen aus der Dominikanischen Republik und denen aus Kuba (Ausnahmen bestätigen immer die Regel). Lange Zeit war die Dunhill aus Honduras mein „normaler“ Favorit (Normal heißt hier: nicht für außergewöhnliche Augenblicke, zu denen man sich was ganz besonderes gönnt, also gut genug für Weihnachten usw. aber für einmalige Ereignisse nehm ich gern was anderes). Daher war ich auch recht verzweifelt, nun wo ich doch auf den Geschmack gekommen bin, zahlreiche Zigarren versucht hatte, um endlich meine zu finden, als Dunhill sie vom Markt nahm. Doch im Rückblick war das gut, denn so lernte ich die Libertad kennen…und noch mehr lieben. Leider wird auch sie nicht mehr hergestellt…aber eine habe ich noch, die verwahr ich mir für einen besonderen Augenblick (übrigens: auch Zigarren können reifen ähnlich wie Wein , wenn sie gut gelagert werden, in einem so genannten Humidor).

Humidor

Genuss mit Format

Doch mit der Auswahl der richtigen Zigarre ist es noch längst nicht getan. Das richtige Format muss ja noch gefunden werden. Für Anfänger eignet sich eigentlich am ehesten das Corona-Format oder eventuell eine Nummer kleiner, die Petit Corona. Später kann man immer noch zur Robusto, Londsdale oder Churchill greifen (auch wenn ich sicher bin, dass die meisten wieder zum Corona-Format zurückkehren werden). Ich würde einem Anfänger auch empfehlen die Corona-Zigarre in mindesten 2 Phasen zu rauchen, sie also ruhig mal zwischendurch ausgehen zu lassen. Nicht nur aus Respekt vor der Zigarre sollte man sich Zeit lassen, auch für sich selber…den Rauch in der Luft und in den Gedanken ruhig mal kreisen und sacken lassen.

Der Genussweg

Viele meinen, es müsste ja ein Whiskey zur Zigarre getrunken werden. Weit gefehlt, der würde den Geschmack verfälschen, ebenso wie umgekehrt. Daher trinken wahre Kenner am liebsten Wasser, um so die Zigarre unverfälscht genießen zu können, damit auch nichts anderes als ihr Rauch die Geschmacksknospen berührt. „Aber die ganz großen Kenner“, erzählte mir mal Margret Schmitz bei einem meiner Besuche bei Linzbach, die Deutschlands ersten begehbaren Humidor beherbergen, „pfeifen auf solche Regeln und genießen sie so wie sie selber es am meisten mögen…schließlich haben sie ja genügend Kombinationen ausprobiert und letztlich geht es um den Genuss“. Da beichtete ich ihr, dass ich meine Zigarren am liebsten mit einer Cola kombiniere oder auch mal bei einem Bier. Da lächelte sie mich verständnisvoll an und sagte nur: „Sie sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg solange sie den Genuss nicht aus den Augen verlieren.“

Spirituosen

Eigentlich gibt es nur eine Todsünde: Auch wenn Hollywood und zahlreiche Western es anders zeigen, benutzt niemals nie, auch nicht nach dem nächsten Urknall ein Zippo zum anzünden!

PS: Fachhändler wie Linzbach in Düsseldorf oder die Tabak Lounge in Frankfurt organisieren immer mal Zigarrenabende. Hier kann man sich mit Gleichgesinnten austauschen, neue Zigarren ausprobieren…und gemeinsam den edlen Dunst genießen.

Coverfoto: Antje Hachmann
Fotos im Text: Mimostyle

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